Das Hotel Goldene Krone in Goslar blickt auf eine Geschichte von fast 300 Jahren zurück. Das heutige Fachwerkgebäude wurde im Jahr 1733 errichtet. Seit 1749 wird das Haus – mit zwei Unterbrechungen – als Hotel beziehungsweise Gastbetrieb genutzt. Damit gehört die Goldene Krone zu den Häusern Goslars, deren Geschichte eng mit der Entwicklung der Stadt und ihren Besuchern verbunden ist.
Über lange Zeit trug das Haus den Namen „Hotel Hannover“. Erst um die Jahrhundertwende setzte sich der Name „Goldene Krone“ durch.
Schon früh war das Gebäude ein wichtiger Anlaufpunkt für Reisende. Historische Quellen berichten, dass sich in der Goldenen Krone zeitweise auch eine Postverwaltung mit Posthalterei befand. Das Haus verfügte über mehrere beheizbare Zimmer, die besonders für vornehmere Reisende vorgesehen waren. Außerdem durfte der damalige Wirt einige Reitpferde halten, die vor allem den zahlreichen Harzreisenden zur Verfügung standen.
Eine besondere Rolle spielte das Haus während der beiden Weltkriege. Nach der Überlieferung des Hotels wurde die Goldene Krone im Ersten und erneut im Zweiten Weltkrieg als Lazarett genutzt. Aus einem Hotel für Reisende wurde damit zeitweise ein Ort, an dem verwundete und kranke Soldaten versorgt wurden. Diese beiden Unterbrechungen gehören zu den bewegendsten Kapiteln in der langen Geschichte des Hauses.
Die Goldene Krone nach dem Zweiten Weltkrieg
Besonders bemerkenswert ist die Geschichte der Goldenen Krone in den Jahren nach 1945.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen zahlreiche jüdische Überlebende, insbesondere aus Osteuropa, nach Goslar. Sie gehörten zu den sogenannten Displaced Persons (DPs) – Menschen, die durch Krieg und nationalsozialistische Verfolgung ihre Heimat verloren hatten und sich nach der Befreiung zunächst in Deutschland aufhielten.
Bereits im Spätsommer 1945 wuchs die jüdische Gemeinschaft in Goslar auf rund 157 Menschen an. Die Stadt stellte das Anwesen der Goldenen Krone der jüdischen Nachkriegsgemeinde zur Verfügung. Es wurde als Sammelunterkunft und Gemeindezentrum genutzt.
Im Januar 1946 gründete sich offiziell das Jewish Committee von Goslar. Die Goldene Krone wurde zu einem wichtigen Mittelpunkt des jüdischen Lebens in der Stadt. Dort befand sich das sogenannte „Jewish Camp“, und das Gebäude entwickelte sich gleichzeitig zu einem kulturellen Treffpunkt.
Das Leben dort bestand nicht nur aus Wohnen. Die jüdische Gemeinschaft organisierte Ausbildungsangebote, unter anderem für Schneider, Automechaniker, Zahntechniker und Elektriker. Außerdem wurden Sprachkurse in Englisch und Hebräisch angeboten. Es entstand sogar ein jüdischer Sportverein mit Tischtennis- und Fußballmannschaft.
Die Goldene Krone war auch ein Ort des Feierns und des kulturellen Neubeginns. Im Frühjahr 1946 feierten die jüdischen Bewohner Goslars dort den ersten Jahrestag ihrer Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft. Auch das jüdische Gemeindeleben fand hier seinen Platz. Die Goldene Krone wurde damit – nur wenige Jahre nach der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung von Millionen Juden – zu einem Ort, an dem jüdisches Leben in Goslar wieder sichtbar wurde.
Die jüdische Nachkriegsgemeinde Goslars umfasste zeitweise etwa 150 bis 250 Menschen. Das Hotel Goldene Krone wird in historischen Darstellungen ausdrücklich als kultureller Standort der jüdischen DP-Gemeinde bezeichnet. Anfang der 1950er-Jahre löste sich diese Nachkriegsgemeinde weitgehend auf; nur wenige jüdische Menschen blieben dauerhaft in Goslar.
Ein Haus mit vielen Leben
Die Geschichte der Goldenen Krone ist deshalb ungewöhnlich: Über fast drei Jahrhunderte war das Gebäude immer wieder Schauplatz ganz unterschiedlicher Lebenssituationen.
Es begann als historisches Fachwerkhaus und wurde zu einem Gasthof und Hotel. Reisende und Harzbesucher kehrten hier ein, Pferde wurden für Reisende bereitgehalten und zeitweise befand sich sogar eine Posthalterei im Haus. Später wurde das Hotel während zweier Weltkriege zum Lazarett.
Nach 1945 bekam das Gebäude noch einmal eine ganz andere Bedeutung: Die Goldene Krone wurde zu einem Zufluchtsort für jüdische Überlebende und zu einem Zentrum des jüdischen Lebens im Nachkriegsgoslar.
Heute ist das Haus wieder ein Hotel. Das Fachwerkgebäude von 1733 ist erhalten geblieben und wird weiterhin als Unterkunft genutzt.
Wer heute in der Goldenen Krone übernachtet, schläft deshalb nicht einfach nur in einem alten Fachwerkhaus. Man übernachtet an einem Ort, der in fast 300 Jahren ganz unterschiedliche Kapitel deutscher Geschichte erlebt hat – von Postkutschen und Harzreisenden über die Weltkriege bis hin zum jüdischen Neubeginn nach 1945.